Realität findet im Kopf statt, Wirklichkeit im Außen!

Was ist Realität und was Wirklichkeit?          

Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich die Begriffe „Realität“ und „Wirklichkeit“ vermischt werden. Doch sind sie keinesfalls dasselbe! Einfach gesagt ist Realität das, was sich im Kopf abspielt, während Wirklichkeit das ist, was sich im Außen abspielt. Wirklichkeit kommt von „wirken“, entsteht als dadurch, dass irgendjemand etwas tatsächlich getan hat, also gewirkt, gewerkt, gehandelt hat oder es gerade tut. Realität bezieht sich auf das „Wesentliche“, was so viel bedeutet wie „bedeutsam“, „wichtig“, „den Kern einer Sache treffend“. Und dies, das sich befassen mit dem Wesentlichen ist in erster Linie eine mentale Angelegenheit, findet also im Kopf statt. Und zwar so lange, bis man sich entscheidet, für deren Verwirklichung etwas zu tun. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Umwandlungsprozess von Realität in die Wirklichkeit und wird irgendwann (oder auch rasch) harte Wirklichkeit

 

Ich finde, es ist sehr hilfreich wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es zwischen diesen beiden so oft verwendeten Begriffen eine klare Abgrenzung gibt. 

 

Zum besseren Verständnis hier ein passendes Beispiel:

 

Eifersucht ist eine Realität für den Betroffenen, also demjenigen der sich damit befasst, bzw. darunter leidet. Das kann für diesen Menschen extrem schlimm sein, er/sie kann praktisch „Höllenqualen“ durchleiden – und dennoch ist all das, was er/sie sich in der Realität ständig erschafft, keine Wirklichkeit! Der oder die Partnerin ist die treueste Seele weit und breit, in der „Wirklichkeit“ gibt es überhaupt keine Anzeichen oder Gründe, die eine Eifersucht rechtfertigen würde. Aber für den/die Betroffene/-n ist es das aber nicht – weil Realität die eigene innere Wahrheit ist! Und diese innere Wahrheit hat die größte Berechtigung, ist das Überlebenspotenzial und der Überlebensmotor schlechthin.

 

Anhand diesem Beispiel ist zu ersehen wie groß der Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit sich darstellen kann und wie massiv Realität auf deren Erschaffer/-in einwirkt. So nachdrücklich, dass all dies Erdachte nur mehr ein Ziel hat: sich zu verwirklichen! Also beginnt ein Mensch die Realität in die Wirklichkeit umzusetzen. Er/sie beginnt „tätig“ zu werden.

 

Wenn ich beim Eifersuchtsbeispiel bleibe stellt sich das so dar: Es werden heimlich Nachforschungen angestellt, Fangfragen gestellt, es wird dem/der Partner/-in das Vertrauen entzogen (er/sie muss stets alles beweisen) usw. So entwickelt sich eine Realität, die vermutlich absolut unberechtigt war im Bezug zum Thema, schließlich doch zu einer Wirklichkeit mit den entsprechenden Folgen. Wobei hier im Beispiel die Folge sein könnte, dass sich der/die Partner/-in tatsächlich vom eifersüchtigen Partner/-in abwendet und sich in eine andere Beziehung „flüchtet“. Somit hat die Realität ihren Zweck erfüllt, nämlich sich in die Wirklichkeit zu bringen! Das ist nämlich das Wesen der Realität. Jede Art von Gedanken, Wunsch oder Planung hat den Drang, den Zweck, Wirklichkeit zu werden!

 

Man sollte also ganz klar unterscheiden, zwischen der „eigenen Welt“ die sich als Realität zeigt und der Welt, in der alle anderen Menschen leben - und diese beginnt im eigenen engsten Umfeld bei Partner/-in, Familie, Freunde, Arbeit usw.  Was nun aber auch nicht heißen soll, dass diese „Wirklichkeit“ gut oder besser ist, als die eigene Realität. Diese „Wirklichkeit“ kann durchaus feindselig sein. Es muss nur unterschieden werden, zwischen der inneren Welt/der eigenen Wahrheit, also Realität und jener Wirklichkeit, die im Umfeld vorhanden ist. Teils sehr massiv vorhanden ist, also voll mit Barrieren und Hindernissen im Sinne von Geldmangel, kranke Angehörige, wirtschaftliches Umfeld, feindselige Arbeitskollegen oder Verwandte, usw.  Was es im Negativen alles so geben kann. Doch bleibe ich hier bei einer „normalen“ Wirklichkeit.

 

Ein jeder der schon einmal eine bahnbrechende Idee hatte kennt dies vermutlich: Alles zeigt sich in den eigenen Gedanken (in der Realität) aufs Wunderbarste. Alles ist perfekt, die Abläufe stimmen, alle Beteiligten machen hundertprozentig an dem Vorhaben mit, alle Kunden reißen einem das geplante Produkt nahezu aus den Händen. Alles ist genau durchdacht. Man ist ganz begeistert von den eigenen Ideen, geht in der eigenen Realität ganz auf. Und mit dieser Idee geht man also an die Öffentlichkeit, spricht begeistert mit Freunden, der Familie oder Kollegen darüber. Und wird ernüchtert. Sie verstehen das nicht, es gibt jede Menge komischer Rückfragen. Das so bombensichere Produkt oder die Idee wird überhaupt nicht verstanden, geschweige denn, dass jemand dafür etwas würde bezahlen wollen. Und es findet sich niemand der bereit ist, die für die Verwirklichung der Realität benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen. Jetzt gibt es zwei Wege: Man lässt die Idee, die Realität, liegen wo sie war und hofft, dass es später einen günstigeren Zeitpunkt dafür gibt. Oder man beginnt selbst, bei sich selbst, mit der Verwirklichung der vorhandenen Realität und setzt erste konkrete, wenn auch kleinere Schritte als vorgesehen. Man beginnt also zu wirken, um aus der felsenfesten Realität doch noch eine ebenso felsenfeste Wirklichkeit zu erschaffen.

 

Das interessante an der gesamten Thematik „Realität und Wirklichkeit“ ist ja, dass es praktisch unendlich viele Realitäten gibt (weil sie sich im mentalen Bereich abspielt), aber es im Grunde nur eine einzige Wirklichkeit gibt. Eine einzige mit Einschränkung deshalb, weil man von dort ausgeht, worin man sich befindet, also dem eigenen Lebensumfeld. In einem anderen Umfeld (wenn sie zB Auswandern) wäre es eine andere Wirklichkeit, weil dort die Menschen vermutlich auf die von Ihnen gesetzten Aktionen anders reagieren (zB lassen sich Kühlschränke in den Tropen höchstwahrscheinlich besser verkaufen, als in Alaska). Definitiv gibt es aber weit weniger Wirklichkeiten als Realitäten.

Um das etwas weiter auszuführen: Wenn Sie eine Idee haben und diese Sie entsprechend fasziniert, so beginnen Sie sofort (bewusst oder unbewusst) verschiedene Umsetzungen davon zu bedenken. Sie kreieren also jede Menge Realitäten. Und deren gibt es so viele, wie Sie sich ausdenken können. Irgendwann einigen Sie sich in Ihren Gedanken, auch durch Input von außen (wie erste Informationen einholen), auf ein paar mögliche Realitäten und entscheiden sich dann schließlich für eine. Entscheidung bedeutet ja nichts anderes, als sich auf eine Denkweise festzulegen. Alle anderen scheiden aus. Wenn nun also alle vorhandene Energie für diese eine Version (Realität) aufgewendet wird, kommt irgendwann der „Beschluss“, sie in die Realität umzusetzen. Und „Beschluss“ bedeutet ja: Jetzt wird umgesetzt, ohne Verzögerung! Mit dem Beschluss beginnt die „tat“-sächliche Verwirklichung, es werden Taten gesetzt. Alles ist bedacht oder besprochen, jetzt wird gehandelt. Die ursprüngliche Idee wurde also zur Realität und mittels Beschluss soll sie verwirklicht werden. Und da zeigt sich nun, wie gut all die geistige Vorarbeit war, denn in der Wirklichkeit muss sie sich grundsätzlich ganz anderen Herausforderungen stellen.

 

Noch ein paar Beispiele für den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit:

 

Angst - ist eine sehr starke Realität. Doch stellt sich die Wirklichkeit aber meist viel ungefährlicher dar, als in der Angstrealität angenommen wurde.

 

Verliebtheit – ist auch stark. Die Wirklichkeit würde die „Fehler“ des Anderen zeigen, die Verliebtheitsrealität lässt dies aber nicht zu.

 

Vorfreude – auf den Urlaub zB oder auf ein kommendes Ereignis. Das ist auch ein klassisches Realitätsphänomen. Am Beispiel Urlaub malt man sich alles wunderbar aus, die Wirklichkeit zeigt aber (möglicherweise) die Baustelle vorm Hotel oder nervige Miturlauber ganz unverblümt.

 

Sorgen – auch ein Realitätsphänomen. Wenn man sich um den Partner, das Kind oder ein anstehendes Ereignis sorgt, findet das im Kopf statt. Möglicherweise noch aktiv genährt von „mitleidenden“, gutmeinenden Mitmenschen, die nicht damit sparen, ihre eigene Sorgenrealitäten rüberzubringen. Aus eigener Erfahrung dürfte wohl jeder wissen, dass praktisch 98 Prozent aller Sorgen unberechtigt waren – gelitten hat man aber trotzdem darunter.

 

So gäbe es zum Thema Realität vs. Wirklichkeit noch vieles zu sagen. Ich denke aber, dass Sie mit diesen Infos genügend „Grundmaterial“ haben, um diese Unterschiede für sich selbst wesentlich besser zu erkennen und auch zu nützen.

 

Beste Grüße

Hubert Ehrenreich

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0